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Assassin's Creed - Historische Hintergründe

14.11.2007 / 12:58 Uhr / Marc Friedrichs

Mit Assassin's Creed wartet ab morgen auf uns ein Highlight des Spielejahres. Darin schlüpft der Spieler in die Rolle des Assassinen Altair, dessen einzige Bestimmung es ist, die Anführer der Sarazenen und der Kreuzritter zur Rechenschaft zu ziehen. Neben Action will Hersteller Ubisoft dem Spieler somit auch Nachhilfe im Fach Geschichte bieten. Im Interview mit Prof. Dr. Ulrich Knefelkamp, Experte für mittelalterliche Geschichte an der Universität Viadrina in Frankfurt/Oder, erzählt dieser über die historischen Fakten.

Was würde man erleben, wenn man sich heute in das Jahr 1191 versetzten könnte?
Prof. Knefelkamp: Die ganze Region rund um Jerusalem, Akkon und Damaskus war politisch zu der Zeit sehr disparat. Einheitliche Verhältnisse, wie wir sie heute kennen, haben damals so nicht geherrscht. Ostchristen, Juden und arabisch sowie türkisch geprägte Völkerschichten haben in diesen Städten durchmengt gelebt. Entweder man hatte Seide, Gold oder Silber, aber sonst beherrschte das Tauschgeschäft das alltägliche Leben dieser Städte.

Gab es Städte, die für bestimmte Waren bekannt waren?
Prof. Knefelkamp: Damaskus war für seine Schwertschmiedekunst bekannt und ein gutes Schwert war gleichzeitig auch beliebtes Handels- und Tauschobjekt. Leider gibt es aus dieser Zeit keine Abrechnungen oder Quittungen, so dass man heute nicht weiß, welchen Wert ein Schwert genau hatte.

Welche Sprache hätte man zu der Zeit von 1191 sprechen müssen?
Prof. Knefelkamp: Auf jeden Fall nicht das Deutsch oder Italienisch, das wir heute kennen. Das wäre entweder ein lateinischer oder auch arabischer Sprachstamm gewesen. Es gab auch schon seit rund 100 Jahren über Sizilien und Spanien Kontakte zu Arabern, so dass diverse Sprachschulen sich mit dieser Kultur auseinander gesetzt hatten. Rund um das Jahr 1100 wurde bereits auch der Koran das erste Mal übersetzt.

Auf welche Quellen dieser Zeit kann man sich denn heute in der Geschichtsforschung beziehen?
Prof. Knefelkamp: Über die Zeit der Kreuzzüge gibt es natürlich vorwiegend Berichte von Theologen, die schreiben konnten und auch sonst die entsprechende Bildung besaßen. Diese Berichte sind natürlich in ihrer Wertung sehr gefärbt und beleuchten auch nur begrenzte Lebensbereiche. Personen wie Wilhelm von Tyros lebten länger dort und deren Berichte sind wesentlich ausführlicher. Daher wissen wir viel über Kleidung, Hygieneaspekte wie Dampfbäder, das orientalische Essen oder die Gewürze. Auch in der Medizin oder der Astrologie waren die Araber in ihrem Wissensstand wesentlich weiter. Alles Dinge, die es bei uns so noch nicht oder nur eingeschränkt gab und dann vor allem über die venezianischen Handelswege auch den Weg nach Europa fanden.

Welche Rolle spielten dabei die Ritterorden?
Prof. Knefelkamp: Die Ritterorden brachten natürlich viele Dinge und erlerntes Wissen zurück nach Europa. Der Johanniterorden wurde zu dieser Zeit gegründet und betrieb in Jerusalem oder Akkon zum Beispiel Krankenhäuser, die vereinzelt so noch heute dort zu finden sind. Die Tempelritter bauten auf den Pilgerwegen ein Geldtauschsystem auf, das man heute mit den Traveller-Cheques vergleichen kann. Auch beim Bau von Burgen stammt viel Wissen aus der Zeit der Kreuzzüge, denn Burgen waren in dieser Region wesentlich größer als im europäischen Raum üblich. Auch alle möglichen Formen von Insignien auf Fahnen und Wimpeln entstanden durch das Chaos der beteiligten Kreuzzugsparteien, die man so ordnen wollte.

Welche Dinge wären Besuchern dieser Städte sonst noch aufgefallen?
Prof. Knefelkamp: Sicherlich neu wäre eine Art Stadtbeleuchtung zur Nacht gewesen und auch Teppiche als Straßenbelag gab es vereinzelt. Aber auch bei diesen Beschreibungen ist es wichtig, die Quelle und deren Verhältnis zur damaligen Zeit genau zu prüfen.

Gibt es aus der Zeit des 12.Jahrhunderts eigentlich Kartenmaterial von Ländern und Städten?
Prof. Knefelkamp: Nein, leider existiert da gar nichts. Kartographie bedeutet zu dieser Zeit fast ausschließlich die Weltbilddarstellung und selbst wenn die Stadt Jerusalem auf solch einer Karte auftaucht, ist damit die idealisierte Himmelsdarstellung gemeint. Von größeren Gebäuden wie Palästen und Kirchen gibt es ab nach dem 12. Jahrhundert recht viele Beschreibungen, so dass man sich davon schon ein Bild machen kann. Das hat auch einen ganz pragmatischen Grund: Die Pilger wollten vorher wissen, welche Ziele sie unbedingt ansteuern müssen und wo es sich auch am meisten lohnt. Das war in gewisser Weise eine frühe Form des Pauschaltourismus.

Im Vergleich zu Heute müssen die Entfernungen für damalige Verhältnisse gigantisch erschienen sein. Wie lange brauchte man im Durchschnitt für die Reise von Europa in den mittleren Osten?
Prof. Knefelkamp: Man zog als Ritter oder Pilger ja immer in Gruppen los, wobei man den Zahlenangaben oft nicht trauen kann. Ein Ritter hatte mehrere Pferde und diverse Mitreisende, die dann mindestens drei Monate unterwegs waren. Selbst ein einzelner Kurier brauchte von Jerusalem nach Rom und einer Schiffspassage mindestens drei Wochen. Und man darf nicht vergessen, dass im Winter wegen fehlendem Wind kein Schiff fahren konnte.

Im Spiel ist der Hauptcharakter Mitglied des Ordens der Assassinen. Was weiß man heute über diese Gruppe?
Prof. Knefelkamp: Fest steht, dass diese Sekte später von den Mongolen vernichtet wurde. Ansonsten ranken sich sehr viele Legenden um die Assassinen, aber es ist geschichtlich erwiesen, das diverse Male Mitglieder Mordaufträge erhalten und diese auch ausgeführt haben. Ordensregeln oder eine Art Kodex wurden zu dieser Zeit eher mündlich übertragen und deswegen haben wir heute darüber leider auch keine Aufzeichnungen.

Hatte der natürliche Tod für Ritter und Könige zu dieser Zeit generell Seltenheitswert?
Prof. Knefelkamp: Normal ist da kaum einer gestorben und alt wurde man auch nicht. Gift, Mord, Schlachten oder Krankheiten waren an der Tagesordnung. Und wenn das einen nicht einholte, war oft das Klima ein Grund für den früheren Tod!

Wer sich mehr für mittelalterliche Geschichte rund um die Assassinen und die Kreuzzüge interessiert, wird in folgenden Büchern fündig:

  • Usama Ibn Munqidh - Ein Leben im Kampf gegen Kreuzritterheere (Horst Erdmann Verlag)
  • Bernard Lewis - Die Assassinen (Eichborn Verlag)
  • Régine Pernoud - Die Kreuzzüge in Augenzeugenberichten (Deutscher Taschenbuch Verlag / DTV)
  • Robert-Tarek Fischer - Richard I. Löwenherz 1157-1199. Mythos und Realität (Böhlau Verlag)
  • Wilfried Westphal - Richard Löwenherz und Saladin - Der dritte Kreuzzug (Thorbecke Verlag)
  • Steven Runciman - Geschichte der Kreuzzüge (Deutscher Taschenbuch Verlag / DTV)

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