Asha Sharma und Matt Booty im Interview - Xbox bekräftigt First-Party-Strategie
von Marc Friedrichs
25.02.2026, 13:05 Uhr 4
Nachdem Microsoft letzte Woche die Führungsebene bei Xbox ordentlich durcheinander gewirbelt hat, verziehen sich nun nach erster Aufregung so langsam die Staubwolken. In einem Interview melden sich CEO Asha Sharma und CCO Matt Booty jetzt erstmals zu Wort.
Keine Frage: die letztwöchige Bekanntgabe, wonach der langjährige Xbox-Chef Phil Spencer seinen Platz räumt, kam zwar nicht völlig unerwartet, war in der Kurzfristigkeit aber dann doch etwas überraschend. Wie jetzt bekannt wurde, wollte Microsoft dessen Rückzug und die Vorstellung von Asha Sharma als neue CEO wohl erst diese Woche ankündigen, allerdings habe man aufgrund eines drohenden Leaks die Mitteilung spontan vorgezogen.
In einem Interview mit Windows Central gaben nun Xbox-Chefin Sharma und Chief Content Officer Booty, der zuvor die Xbox Game Studios leitete, erstmalig Einblicke in die kommenden Pläne.
Zu ihrem Antritt hatte Asha Sharma gesagt, sie wolle eine "Rückkehr zur Xbox" ermöglichen. Auf die Frage, was sie damit meine, sagt sie:
Für mich bedeutet das, zu dem Spirit zurückzukehren, auf dem die Xbox einmal gegründet wurde - der Spirit der Überraschung, der Spirit, etwas aufzubauen, was sonst niemand versuchen wollte. Begriffe wie "Rebellion" und "Spaß" kommen mir da in den Sinn".
An dieser Stelle bekräftigt sie auch ihr Engagement für Konsolen-Hardware, schließlich hätten Fans und Kunden im Laufe der Zeit viel in das Ökosystem investiert:
Spieler haben bis zu 25 Jahre in unsere Universen und die Xbox gesteckt. Ich möchte sicherstellen, dass jeder weiß, dass ich mich der Xbox verschrieben habe - angefangen mit der Konsole. Wir werden die Spieler weiterhin dort treffen, wo sie sind, auch wenn sich die Welt weiter entwickelt und verändert. Wir werden sicherstellen, dass Xbox ein großartiger Ort für Entwickler und Spieler bleibt. Wir wollen aber auch die künstliche Kluft zwischen den verschiedenen Gerätetypen, die Spieler verwenden möchten, verringern. Wir wollen mehr investieren, um Barrieren abzubauen und Entwicklern zu helfen, Erlebnisse über verschiedene Hardware zu erschaffen.
Diese Aussage ist natürlich keine völlige Abkehr von den bisherigen Plänen, immer mehr Games auch auf andere Plattformen zu bringen, allerdings ist sie auch ein Commitment zur Xbox-Hardware. Dass die Multi-Plattform-Strategie viele Gründe für den Kauf einer Xbox torpediert hat, dürfte Sharma aber nicht entgangen sein.
Die Xbox-Strategie muss überarbeitet werden und dabei ist nichts ausgeschlossen. Allerdings wird die Finalisierung unserer Strategie Analysen und Zeit benötigen. Der Plan ist der Plan, bis er nicht mehr der Plan ist,
so die CEO zu den jüngsten Entscheidungen bei Xbox. Was Multiplattform- und Exclusive-Strategien angeht, scheint Sharma also durchaus Handlungsmöglichkeiten zu sehen. Sie wolle ehrlich sein und gebe zu, dass sie noch lernen müsse, warum welche Entscheidungen in letzter Zeit getroffen wurden. Kurzfristige, drastische Veränderungen solle man daher erst einmal nicht erwarten. Das Team müsse in Ruhe alles überdenken und hinterfragen.
Ich will zur Xbox zurückkehren - das beginnt bei der Konsole und der Hardware. Wir wissen aber auch, dass viele Spieler nicht auf unserer Xbox spielen und auch denen möchte ich großartige Spiele liefern. Wie das aussehen kann, welche Entscheidungen getroffen werden müssen, was wir in Zukunft tun können - all dafür brauche ich etwas Zeit und Raum.
An dieser Stelle unterstreicht Matt Booty, das man definitiv nicht vorhabe, in Zukunft nur noch als Publisher aufzutreten:
Unser Studiosystem ist vollständig darauf ausgerichtet, als First-Party-Anbieter zu agieren. Wir sind nicht einfach nur als Publisher aufgestellt. Ein zentraler Bestandteil unserer Partnerschaft mit der Microsoft-Plattform ist die frühzeitige Einbindung in Hardware-Entscheidungen - einschließlich der Arbeit, die wir geleistet haben, um Spiele wie "Gears of War" auf neuen Geräten wie dem Xbox Ally optimal zum Laufen zu bringen. Es ist fest in unserer Struktur verankert, wir halten daran fest. Wir bekennen uns dazu, ein First-Party-Spiele-Publisher in Partnerschaft mit unserem First-Party-Plattformteam zu sein.
Auch auf das Thema KI kommen die beiden zu sprechen - immerhin hat Asha Sharma bislang als KI-Präsidentin bei Microsoft den Bereich CoreAI geleitet:
Jede neue Technologie bietet als Werkzeug neue Möglichkeiten, aber noch wichtiger, besonders jetzt, ist, dass wir Grenzen ziehen müssen, was wir nicht tun werden. Ich werde das Xbox-Ökosystem nicht mit AI Slop fluten. Wir werden keinen oberflächlichen Output liefern, wir werden keine Derivate produzieren. Ich stehe voll und ganz zu diesen Worten.
Auch Matt Booty betont, dass Spieler keine Angst vor einer KI-Flut haben müssen:
Spieleentwickler sind immer begierig darauf, neue Technologien zu übernehmen. Als Photoshop auftauchte, dauerte es etwa einen Monat, bis es in jedem Spielestudio der Welt verwendet wurde, weil es so nützlich war. Das Ziel von Xbox ist es, KI unterstützend und nicht disruptiv zu verwenden. Was ich in unseren Studios höre: Es sind die Menschen, unsere Künstler, unsere Programmierer, die Autoren - sie machen die kreative Arbeit. Meiner Erfahrung nach entsteht bei jeder neuen Technologie der Bedarf an mehr Spezialisten, neuen Spezialisten. Das legt die Messlatte für die Erwartungen an die Qualität der Spiele höher.
Wir haben keinen Druck von Microsoft und es gibt keine Anweisungen, auf KI zu setzen. Unsere Teams können alle Technologien verwenden, die nützlich sein könnten - sei es beim Schreiben von Code oder beim Überprüfen von Fehlern. Am Ende des Tages sind wir der Kunst verpflichtet, die von Menschen gemacht wird. Technologie unterstützt das nur.
Was die zukünftige Spielestrategie angeht, wolle man sich nicht auf AAA-Blockbuster beschränken. Die Xbox-Studios hätten weiterhin Platz für die kleineren, unerschrockenen Projekte. Diese Art von Kreativität sei weiterhin zentral für die Xbox-Philosophie, so Matt Booty.
Unser Ökosystem ist darauf ausgelegt, ein Portfolio von allem zu sein - von kleinen Spielen über laufende Franchises bis hin zu großen Blockbustern. Wir sind im Kern darauf ausgelegt, alles von "Kiln" bis "Call of Duty" zu entwickeln, alles von "Minecraft" bis "South of Midnight". Das ist der Kern, wie wir aufgebaut sind. Xbox ist eine Art Föderation von Studios, die sich sowohl kreativ als auch technologisch gegenseitig unterstützen.
Ich glaube, dass fast alles Große als etwas Kleines begann. Wir dürfen die Fähigkeit nicht verlieren, Orte zu haben, an denen kleine Funken zu etwas Großem wachsen können. Das kreative Umfeld, das uns erlaubt, Wetten abzuschließen und kreative Risiken einzugehen, muss Teil der Xbox-Kultur bleiben. Wir fühlen uns dazu verpflichtet und unser Studiosystem ist dafür gebaut.
Abschließend sagt Asha Sharma noch ein paar Worte über den scheidenden Phil Spencer, der noch einige Monat beratend an ihrer Seite arbeiten wird, und die Zukunft allgemein:
Phil ist ein bemerkenswerter Mensch und ein bemerkenswerter Anführer, und ich denke, als er 2014 die Leitung übernahm, hat er die Xbox-Kultur verändert, um sich auf Spieler- und Creator-getriebene Entscheidungen zu konzentrieren. Ich beabsichtige, das zu ehren und zu wahren.
Mir ist bewusst, dass das Unternehmen einige Herausforderungen durchgemacht hat. Ich werde mein Fachwissen zusammen mit den Führungskräften, die tief im Gaming verwurzelt sind, einsetzen, um das Geschäft wachsen zu lassen und sicherzustellen, dass wir weitere unglaubliche 25 Jahre vor uns haben. Ich werde zuhören, ich werde lernen und ich werde kommunizieren, was wir sehen und was wir tun. Matt und ich wollen keine Versprechen machen, sondern Beweise liefern. Wir sind mittendrin - jede Stunde, jeden Tag, jede Nacht. Dieses Team ist früher schon einmal zurückgekommen und ich werde dabei helfen, es erneut zu tun.
Link: Windows Central
Zu den Kommentaren (4)KOMMENTARE
Braevator
25.02.2026, 14:38 UhrWarme Worte, bin gespannt was davon tatsächlich real wird.
Gute bis sehr gute Spiele verkaufen sich und ihre Plattform, Nintendo und Sony machen es vor.
Der Groschen scheint bei MS jetzt auch gefallen zu sein. Kaufkräftige Kunden haben im Normalfall wenig Zeit zum Inhalte konsumieren (games, Filme, Musik usw.) Wenn man die ganzen Abo‘s gar nicht schaffen kann, schließt man sie nicht ab. Wäre ja pure Geldverschwendung. Noch dazu sind die Games, die es nicht im GP gibt, ne ganze Klasse besser. Ergo kauft man sich die Games für seine präferierte Plattform.
Qualität vor Quantität gerade im gaming markt: Qualitätsführer(Sony&Nintendo) oder Preisführer (MS). Ich will keine billigen games, ich will gute bis sehr gute games.
Wenn Fable gut wird, hätte ich mich dafür ne Xbox gekauft. Ganz einfache MarkenLogik.
TingelDan
25.02.2026, 14:07 UhrHört sich gut an!!!
Marc
25.02.2026, 14:04 UhrDanke! Ich mach dazu auch noch ein kurzes Video.
TingelDan
25.02.2026, 13:53 UhrHi Marc, super Artikel!!! Versuche gerade die guten Artikel von den Clickbait Nachrichten zu trennen. Das meiste geht immer nur in eine Richtung (die wir alle zu gut kennen). Es ist gerade schwierig vernünftige Kommentare zum Thema zu bekommen. Und YT ist ja komplett am Thema vorbei! Dank Dir!





