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Control Resonant - Halb-Gott in Manhattan

Nach dem von Kritikern gelobten, aber kommerziell eher verhaltenen Erfolg des ersten Teils geht das finnische Entwicklerstudio Remedy Entertainment mit "Control Resonant" ein erstaunliches Risiko ein. Anstatt stur auf den gewohnten Shooter-Mechaniken aufzubauen, wirft das Studio alte Konventionen über Bord und wagt den mutigen Sprung hin zu einem dynamischen, nahkampf-fokussierten Action-RPG. Das Ergebnis ist ein extrem stilvolles, mutiges Spielerlebnis, das den "New Weird"-Charme der Reihe erfolgreich weiterdenkt.

Wolfgang Kern

von Wolfgang Kern

Gestern, 11:43 Uhr 2

Der Erstling aus dem Jahr 2019 ließ uns als Jesse Faden das mysteriöse Älteste Haus erkunden - ein sich ständig veränderndes Hauptquartier des Federal Bureau of Control (FBC) -, um das Gebäude von einer übernatürlichen Macht namens Hiss (Zischen) zu reinigen. In "Control Resonant" übernimmt nun ab Donnerstag Jesses Bruder Dylan die Hauptrolle. Einst von der Entität manipuliert und jahrzehntelang gefangen, sucht er als gebrochener, von Schuldgefühlen geplagter Protagonist nach Erlösung. Da seine Schwester spurlos verschwunden ist, zieht Dylan mit einer transformierbaren Nahkampfwaffe namens Aberrant los. Die Geschichte konzentriert sich stark auf Dylans emotionale Aufarbeitung und die Funk-Dialoge mit seiner Begleiterin Zoe, wodurch die Erzählung trotz der surrealen Welt eine sehr persönliche Note erhält.

Spielerisch unterscheidet sich der Titel drastisch vom Vorgänger. Wo Jesse noch mit telekinetischem Schleudern von Büromöbeln und der Amtswaffe aus der Distanz agierte, setzt Dylan auf aggressive Nahkampf-Action. Seine Waffe Aberrant lässt sich blitzschnell in verschiedene Formen wie Hammer, Sense oder Nunchakus verwandeln.

Das Kampfsystem setzt auf direkte Konfrontation: Statt abzuwarten oder zu parieren wird schnelles Ausweichen belohnt, um direkt wieder in den Angriff überzugehen. Durch das Zusammenspiel von Waffenkombinationen, Statuseffekten und mächtigen Finisher-Animationen erinnern die Kämpfe phasenweise an eine Mischung aus "Devil May Cry" und "Doom Eternal". Ergänzt wird das System mit durchdachten Skilltrees und Bosskämpfen, die mit neuen Fähigkeiten belohnen, selbst wenn einige Bosse eher durch große Trefferpunkte-Balken als durch komplexe Verhaltensmuster fordern. Was vielleicht nach sinnlosem Hack’n’Slay aussieht, ist ein komplexes, befriedigendes Kampf-System, dass sich individuell anpassen lässt.

Dass Remedy schon immer ihr eigenes Süppchen kocht, lässt sich auch beim Schwierigkeitsgrad des Spieles beobachten. So gibt es einen fixen Schwierigkeitsgrad, der sich aber individuelle durch sehr viele Schieberegler anpassen lässt. Egal ob Schaden an Gegnern, Schaden den man selbst nimmt, One-hit Kill, God-Mode und etliche andere Faktoren lassen sich dort einstellen. Auch kann man das Spiel dort so modifizieren, dass es deutlich schwerer wird. Erfolge sind davon nicht betroffen.

Die Kulisse verlagert sich aus den engen Betonfluren des Ältesten Hauses in ein verzerrtes, psychedelisches Manhattan. Die semi-offene Welt ist in verschiedene Distrikte unterteilt, deren Erkundung direkt an das Fortschrittssystem gekoppelt ist: Wer Nebenaufgaben absolviert und Feinde besiegt, stuft die jeweilige Region auf, schaltet neue Händler-Angebote frei und erhält Skillpunkte für Dylan.

Die Spielwelt sprüht dabei vor skurrilen Details - darunter gravitationsveränderte Areale, in denen man an Decken entlangläuft, sowie abgedrehte Nebenmissionen rund um entkommene Altered Items. Trotz der weitläufigeren Areale bleibt das beklemmende Gefühl der kosmischen Bedrohung jederzeit spürbar und die bereits großartige Atmosphäre des Vorgängers wird konsequent weitergeführt.

Visuell glänzt das Spiel mit spektakulären Partikeleffekten, beeindruckender Raytracing-Beleuchtung und starkem Color Grading. Die Zerstörungseffekte in den Kämpfen sorgen für ordentlich Dynamik auf dem Bildschirm. Technisch läuft das Abenteuer auf der Series X meist flüssig, leidet stellenweise aber noch unter kleineren Unsauberkeiten wie hängenden Gegner-Texturen oder kurzen Tonaussetzern. Auf Series S stößt der Titel performance-technisch spürbar an seine Grenzen. Gerade bei großem Gegner-Aufkommen merkt man Framerate-Einbußen. Allerdings ist das Spiel auch auf der schwächeren Konsole im Großen und Ganzen ordentlich spielbar.

Der Sound fängt die düstere Grundstimmung von "Control Resonant" perfekt ein: Wuchtige Treffer-Sounds, ein dynamischer Soundtrack und hervorragende englische Sprecher tragen die dichte Atmosphäre mühelos durch das gesamte Abenteuer. Eine deutsche Sprachausgabe ist ebenfalls vorhanden, erreicht allerdings nicht ganz die Klasse des Originals. 

1Fazit

Zu den Kommentaren (2)

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Dieses Rating für registrierte Benutzer lebt von der Qualität der verteilten Sterne. Seid bei eurer Bewertung also fair... [+]: Nur selten hat ein gutes Spiel die Höchstnote verdient und natürlich muss auch ein schwächeres Spiel nicht gleich immer komplett abgestraft werden. Je objektiver ihr eure Sterne vergebt, desto aussagekräftiger ist am Ende die Gesamtwertung. [–]

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KOMMENTARE


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Wolfgang

Wolfgang

Gestern, 12:40 Uhr

Steh auf den Stuff. Sehr David Lynch-esque

Marc

Marc

Gestern, 12:00 Uhr

Ich würde das gerne mögen. Aber dieses Surreale und Begriffe wie "Entität", "verzerrtes, psychedelisches Manhattan" oder "kosmische Bedrohung" holen mich echt nicht ab... :nuts: = Nuts

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