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007 First Light - Die Leiden des jungen Bond

Als IO Interactive - bekannt für die "Hitman"-Reihe - ein Spiel über den berühmtesten Geheimagenten der Welt angekündigt hat, waren die Erwartungen gigantisch. Mit "007 First Light" beweist das Studio nun, dass man den schmalen Grat zwischen lautlosem Vorgehen und krachender Action nahezu perfekt beherrscht. Mehr dazu in unserem Test.

Wolfgang Kern

von Wolfgang Kern

Heute, 15:52 Uhr

Bei der Entwicklung hat IO Interactive seine jahrzehntelange Erfahrung im Stealth-Genre genutzt, um eine völlig eigene Vision von Ian Flemings ikonischem Spion zu erschaffen. "007 First Light" ist als Reboot konzipiert und markiert den Beginn einer neuen Ära, die sich spürbar von den bisherigen Film- und Spieladaptionen abhebt, ohne die Wurzeln des Charakters zu verleugnen.

Wir treffen auf einen ungewohnt jungen James Bond. Mit gerade einmal 26 Jahren und verkörpert von Patrick Gibson steht der Hitzkopf noch ganz am Anfang seiner Karriere, weit vor seiner Zeit im MI6-00-Programm. Dieser Bond ist arrogant, macht Fehler und muss sich den Respekt seines mürrischen Vorgesetzten John Greenway (großartig gespielt von Lennie James) erst hart erarbeiten.

Die Story erstreckt sich über rund 20 Stunden und beginnt mit der Infiltration eines Luxushotels, in dem ein abtrünniger Ex-Agent finstere Pläne schmiedet. Die Erzählung orientiert sich angenehm an der bodenständigen Härte der Daniel-Craig-Ära: Bond ist nicht unverwundbar, er steckt ordentlich Prügel ein und muss oft improvisieren. Die Mischung aus Agenten-Drama, packenden Wendungen und einer Prise Realpolitik weiß über weite Strecken voll zu überzeugen.

Spielerisch unterscheidet sich "007 First Light" deutlich von klassischen Shootern. Wer einen reinen Deckungsshooter erwartet, wird anfangs - genau wie ich - etwas irritiert sein. Es gibt kein starres Deckungssystem; stattdessen ist die Umgebung zu einem großen Teil komplett zerstörbar. Verschanzt man sich hinter einer Holzwand oder einem Computertisch, wird diese unter Beschuss in Sekundenbruchteile zerlegt.

Das Gunplay ist recht schnell und erfordert eine spürbare Einarbeitungszeit in die Steuerung. Da die Waffen der Gegner meist nur wenig Munition geladen haben, ist man gezwungen, ständig die Schießeisen zu wechseln, leere Magazine den Feinden an den Kopf zu werfen oder in den rasanten Nahkampf überzugehen. Die Faustkämpfe sind dabei ein absolutes Highlight: Wir rutschen über Tische, entwaffnen Schurken im Flug und nutzen die interaktive Umgebung, um Feinde in Geländer oder Stromkästen zu schleudern. Unterstützt wird Bond von Q-Gadgets wie der Q-Watch, die als Detektiv-Sicht fungiert und das Hacken von Elektronik ermöglicht.

Abseits der Kämpfe glänzt das Erbe von "Hitman": In großen Levels mischen wir uns unter Social-Engineering-Aspekten unter die NPCs, nutzen einen Bluff-Mechanismus, um Wachen zu belügen, oder werfen uns in Verkleidungen. Nach der Story wartet zudem der "TacSim"-Modus (Tactical Simulation) - ein knackiger Herausforderungsmodus, der sich rein auf die grandiosen Kämpfe fokussiert.

Visuell ist das Spiel ein echtes Brett - sofern man die richtigen Einstellungen wählt. "007 First Light" bietet zwei Grafikmodi, bei denen der Qualitäts- bzw. Grafikmodus den Performance-Modus bei Weitem schlägt. Im Grafikmodus erstrahlen die luxuriösen Kulissen, die detaillierten Charaktermodelle und die spektakulären Partikeleffekte bei Explosionen in vollem Glanz.

Ein technischer Wermutstropfen sind jedoch die Ladezeiten, die zum Teil echt lang ausfallen. Vor allem auf der Xbox Series S muss man vor den Einsätzen etwas Geduld mitbringen. Lobenswert ist dafür das extrem faire Speichersystem: Die Checkpoints sind psychologisch perfekt und sehr großzügig gesetzt, sodass Frust nach einem Bildschirmtod gar nicht erst aufkommt. Das ausgeklügelte Tutorial zu Beginn des Spiels verdient ebenfalls eine Sondererwähnung - es ist wohl eines der innovativsten und am besten inszenierten Tutorials der jüngeren Gaming-Geschichte.

Die schauspielerischen Leistungen wurden durch Motion Capture perfekt ins Spiel übertragen und vor allem Patrick Gibson als junger Bond funktioniert für mich perfekt. Der Sound steht der kinoreifen Optik in nichts nach. Die Schüsse peitschen druckvoll durch die Boxen, das Splittern von Holz und Glas bei den zerstörbaren Umgebungen klingt fantastisch und der orchestrale Soundtrack versprüht sofort das klassische, mitreißende Bond-Feeling. Die hervorragende englische Sprachausgabe rundet das akustische Gesamtpaket perfekt ab.

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