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Das weiße Band - Eine deutsche Kindergeschichte

Paul Hackspacher

von Paul Hackspacher

08.05.2010, 17:36 Uhr

Eichwald, 1913. Ein Dorfarzt verletzt sich schwer, als sein Pferd über ein kaum sichtbares Drahtseil stolpert, welches zwischen zwei Bäumen gespannt ist. Das ist die Ausgangssituation für Michael Hanekes Schwarz-Weiß-Film "Das weiße Band", der ein Gesellschaftsportrait der deutschen Vorkriegszeit darstellen soll. Dass die Geschichte und natürlich die Figuren des Filmes fiktiv sind, tut der Sache keinen Abbruch. Zu keinem Zeitpunkt hat man das Gefühl, die Erzählung sei unglaubwürdig, was unter anderem an den detaillierten Charakterzeichnungen sowie den originalgetreuen Kulissen und Kostümen liegt.

Doch zurück zur Geschichte: Erzählt werden die Geschehnisse vom Lehrer des Dorfes, der Jahre später auf die Ereignisse von 1913/1914 zurückblickt. Schon zu Anfang warnt er: "Auf unzählige Fragen gibt es keine Antwort". Und damit hat er mehr als recht, denn nicht nur der ominöse Reitunfall des Arztes sondern auch weitere Zwischenfälle mit teilweise fatalem Ausgang werfen Mysterien auf, die bis zuletzt nicht vollständig geklärt werden: Die Verunglückung einer Arbeiterin in einem Sägewerk, die Mißhandlung des Sohnes des Barons, ein nächtlicher Scheunenbrand bis hin zur Entführung des behinderten Kindes der ortsansässigen Hebamme - all das wirft einen dunklen Schatten auf das Dorf, der eine angespannte Atmosphäre unter den Anwohnern erzeugt.

Wer ab diesem Punkt einen Krimi erwartet oder zumindest eine Detektivgeschichte, mit dem Ziel die Hintergründe aufzuklären, irrt sich gewaltig. Erst in der letzten Viertelstunde des immerhin 138-minüten Filmes macht sich der Lehrer - inzwischen mißtrauisch geworden - auf den Weg, um sich Klarheit über die Vorfälle des vergangenen Jahres zu verschaffen. Bis dahin liegt das Augenmerk der Erzählung auf den Einwohnern des Dorfes, portraitiert ihre Reaktionen und Interaktionen und reißt die nach außen hin zeigende Fassade der einzelnen Familien ab, indem ihre dunkelsten Geheimnisse preisgegeben werden: Mißhandlung, Suizid, Untreue, Inzest, all das sind nur einige der sprichtwörtlichen Leichen, die die Eichwalder im Keller liegen haben. Dies offenbart sich jedoch nur dem Zuschauer, untereinander verbleiben alle Figuren in ihrer Maske von religiöser Tugend und konservativem Anstand.

Haneke hat sich auch besondere Gedanken über die Umsetzung seines eigenen Drehbuchs gemacht. Aufgrund der Zeit, in welcher der Film angesiedelt ist, entschied man sich für eine Optik, die eher an eine Dokumentation erinnert: Nicht nur dass der Film schwarz-weiß abgespielt wird, es fehlt auch jegliche Art von musikalischer Untermalung - sogar Intro und Abspann werden in gespenstischer Stille gezeigt. Auch die Kamera scheint sich manchmal beharrlich zu weigern, zu einer anderen Stelle zu springen: Nicht selten kommt es vor, dass Charaktere den Raum verlassen, sodass das Bild in einem länger währenden Blick auf eine geschlossene Tür verharrt, als wäre der Zuschauer tatsächlich ein Beobachter vor Ort, der höflich auf die Rückkehr des Hausherren wartet. In Kombination miteinander erzeugen diese Stilmittel das Gefühl, tatsächlich eine Aufnahme aus den Jahren kurz vor dem ersten Weltkrieg zu sehen, anstatt sich einen 2009 gedrehten Film zu Gemüte zu führen.

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08.05.2010, 17:36 Uhr

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