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Die Xbox schneller machen - Latenz, Datendurchsatz & QoS Tagging

Das jüngst veröffentlichte Mai-2022-Update macht Xbox Series X|S und auch der Xbox One gewissermaßen Beine, denn mithilfe neuer Einstellungen kann man die Konsolen im heimischen Netzwerk jetzt priorisieren. Was das bedeutet und was ihr dabei beachten müsst, erfahrt ihr hier.

Marc Friedrichs

von Marc Friedrichs

11.05.2022, 12:03 Uhr

Mittlerweile ist gefühlt so gut wie jedes größere Gerät im Haushalt irgendwie mit dem Internet verbunden. Die Xbox ist in Betrieb, auf dem Computer läuft ein Twitch-Stream, das Smartphone ruft Chats bei WhatsApp & Co. ab und lädt Fotos bei Insta hoch, auf dem Fernseher im Wohnzimmer wird Netflix geschaut und das Tablet in der Küche spielt Kochvideos bei YouTube ab. Dazu funkt noch der Kühlschrank irgendwelche Infos, die smarte Lichanlage wird aus der Ferne gesteuert, die Temperaturen der Heizungsthermostate werden hoch- oder runtergestellt und und und. Alles läuft dann beim Router zusammen und muss dort irgendwie verarbeitet und verwaltet werden - und zwar so, dass alle Endgeräte irgendwie einigermaßen genügend Bandbreite zur Verfügung gestellt bekommen. Doch was ist, wenn man das gar nicht möchte? Wenn man viel lieber die geringste Latenz an der Xbox genießen will, während der Rest warten kann? Genau an dieser Stelle kann das sogenannte QoS Tagging weiterhelfen.

Das QoS Tagging wurde von Microsoft im Rahmen des Mai-2022-Updates für die Xbox an alle Spieler ausgerollt, nachdem das Ganze zuvor schon für Beta-Tester zur Verfügung gestanden hat. "QoS" steht für "Quality of Service" und manipuliert gewissermaßen den Datenverkehr im eigenen Netzwerk. Damit werden Router, Switches und Modems angewiesen, den Datenverkehr zu differenzieren, also zu unterscheiden, und dann unterschiedliche Verhaltensweisen auf den Datenverkehr anzuwenden. Das Problem ist mittlerweile nämlich, dass allerhand Daten verschiedenem Ursprungs in einzelnen Paketen über eine gemeinsame Infrastruktur transportiert wird. Diese paketbasierten Netzwerke, wir wir sie alle fast ausnahmelos zuhause haben, sind dafür optimiert, den Datenverkehr nach bestmöglichem Bemühen zu regeln. Das ist allerdings wie eingangs erwähnt nicht immer im Sinne des Nutzers. Sprach- und Videodienste sollten Vorrang haben. Oder eben die Kommunikation der Xbox mit dem Xbox Live Netzwerk.

Mittels QoS werden Daten den Wünschen der Nutzer nach priorisiert, gefiltert und gemäß der konfigurierten Vorgaben kontrolliert. Die Daten von sämtlichen Endgeräten werden vom Netzwerkgerät (der Einfachheit halber sprechen wir jetzt nur noch vom Router) untersucht und in CoS Gruppen ("Classes of Service") klassifiziert. Wenn gewünscht, wird der Datenverkehr dann begrenzt und einer anderen Klasse bzw. einem anderem Endgerät zugewiesen. Je nach Einstellung bleiben so gestoppte Daten dann in einer Warteschlange und werden erst später verarbeitet. Wenn euch also in eurem Netzwerk andere Geräte die Bandbreite blockieren, habt ihr mit dem neuen QoS Tagging nun also ein Vorfahrtsschild, welches ihr nur aufstellen... ähh... einstellen müsst - und zwar in der Xbox als auch in eurem Router.

Einstellung in der Xbox

Das neue QoS Tagging findet ihr in den Einstellungen unter Allgemein > Netzwerkeinstellungen > Erweiterte Einstellungen > QoS-Tagging-Einstellungen. Hier gibt es zwei Optionen: DSCP Tagging und WMM Tagging.

DSCP Tagging

"DSCP" steht für "Differentiated Services Code Point" und kennzeichnet (tagged) Daten auf der IPv4- sowie IPv6-Paketebene und wird für kabelgebundene als auch drahtlose Netzwerke verwendet, um latenzempfindliche Daten zu markieren und in Zeiten der Netzwerküberlastung vom Router zu priorisieren. Ist eure Xbox also per Netzwerkkabel angeschlossen oder mit dem WLAN verbunden, dann solltet ihr hier den Haken setzen, um DSCP Tagging zu aktivieren.

WMM Tagging

"WMM" steht für "WiFi Multimedia" und die Kennzeichnung erfolgt ausschließlich auf drahtloser Paketebene bei drahtlosen Netzwerkverbindungen. Da hier ausschließlich der Datenaustausch via WLAN in Sachen Latenz und Durchsatz optimiert wird, braucht ihr hier den Haken nur zu setzen, wenn ihr die Xbox mit dem WLAN verbunden habt. Für das kabelgebundene Netzwerk hat diese Option somit keinerlei Auswirkungen.

Einstellungen im Router

Damit durch das QoS Tagging eure Xbox Series X, Xbox Series S oder Xbox One im Netzwerk bevorzugt behandelt wird, muss allerdings auch der Router entsprechen eingestellt werden - vorausgesetzt er unterstützt eine solche Priorisierung überhaupt. Je nach Hersteller und Modell sind diese Einstellungen dann natürlich an unterschiedlichen Stellen zu finden. Da hierzulande die FritzBox-Modelle sehr weit verbreitet sind, gehen wir an dieser Stelle die Einstellungen mal am Beispiel der aktuellen Router von AVM durch:

Ruft eure Router-Konfiguration im Browser auf. In unserem Beispiel erreicht ihr diese unter http://fritz.box bzw. über die IP-Adresse des Routers. Die Priorisierung findet ihr dann unter Internet > Filter > Priorisierung. Dort gibt es drei Prioritätsstufen: Echtzeitanwendungen (höchste Priorität), Priorisierte Anwendungen (mittlere Priorität) und Hintergrundanwendungen (niedrigste Priorität). Klickt hier im gewünschten Bereich auf "Neue Regel" und wählt auf dem folgenden Bildschirm als Gerät eure Xbox und bei Netzwerkanwendung "Alle" aus. Bestätigt das Ganze abschließend mit "OK".

Wichtige Hinweise

Das QoS Tagging beeinflusst in erster Linie nur ausgehende Daten, also den Upload. Daten, die zu euch kommen, kann der Router nur bedingt priorisieren. Wenn bei euch ein Download im Xbox Store mal wieder gefühlte Ewigkeiten dauert, liegt das meistens am dortigen Server. Gerade zu bestimmten Uhrzeiten gehen diese oft leider in die Knie.

Anders verhält sich das, wenn nebenan im Wohnzimmer Familienmitglieder Netflix schauen und eure Xbox aufgrund einer eingestellten Priorisierung die volle Bandbreite ausnutzt. Ein Netflix-Stream ist technisch betrachtet zwar auch nur ein Download, aber währenddessen kommunizieren Fernseher und Server trotzdem in beide Richtungen. Und ist dies in eine Richtung nicht oder nur schlecht möglich, leidet auch die andere Richtung darunter. Wenn euch also euer Hausfrieden lieb ist, überlegt euch gut, was ihr im Router wie priorisiert. Denkt auch daran, dass Festnetztelefone - falls ihr so etwas noch habt - fast ausschließlich nur noch als VoIP-Telefonie über das Internet funktionieren. Im schlimmsten Fall ist also nicht nur Freund/Freundin sauer, sondern man kann auch nicht mehr ordentlich telefonieren.

Abschließlich aber noch einmal der vielleicht wichtigste Hinweis: Das QoS Tagging vollbringt keine Wunder. Wer schlechte Netzwerkkabel, ein schwaches WLAN oder einfach einen langsamen Internetzugang mit wenig Bandbreite und hoher Latenz hat, der ist mit den hier genannten Einstellungen auch nicht unbedingt schneller unterwegs. QoS Tagging kann einzig das Maximum aus der vorhandenen Netzwerkinfrastruktur herausholen.

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11.05.2022, 12:03 Uhr

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