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Der Plan - Wer bestimmt das Schicksal?

13.08.2011 / 14:08 Uhr / Paul Hackspacher

Es gibt nicht wenige Künstler, die erst nach ihrem Tod berühmt wurden. Auch wenn das für gewöhnlich nur auf Maler wie Vincent van Gogh gemünzt wird, gibt es auch genug Beispiele aus anderen Gattungen, etwa Musik oder Literatur und natürlich Verfilmungen. Hollywood hat der Literatur in letzter Zeit ohnehin viel Aufmerksamkeit geschenkt, seien es Romane, Kurzgeschichten, Theaterstücke oder Comics, und scheinbar haben es ihnen die eher unbekannten Autoren besonders angetan, da so die Vorlage nicht allzu offensichtlich ist.

Einer der bekannteren Namen, von denen adaptiert wird, ist Philip Kindred Dick, ein amerikanischer Science-Fiction-Autor des 20. Jahrhunderts. Dessen Werke wurden zwar während seiner Lebzeit eher als Schundliteratur eingeordnet. Allerdings weckten sie schnell großes Interesse durch den kurz nach seinem Tod erschienenen Film "Blade Runner" von Ridley Scott, basierend auf dem Roman "Do Androids dream of Electric Sheep?". Seine Geschichten wurden immer gefragter, sodass sein Name heute in einem Atemzug mit großen Science-Fiction-Autoren wie Stanislaw Lem genannt wird und er diesen und andere in Sachen Verfilmungen bereits übertroffen hat. Zu den direkten Adaptionen zählen unter anderem "Total Recall" der momentan ein Remake spendiert bekommt, "A Scanner Darkly - Der Dunkle Schirm" und "Screamers - Tödliche Schreie". Viele weitere Filme wurden maßgeblich von ihm beeinflusst, auch wenn sie nicht direkt von ihm stammen, wie "eXistenZ" und sogar die "Matrix"-Trilogie. Der aktuellste Dick-Film, basierend auf der Kurzgeschichte "Adjustment Team", ist unlängst auf Zune erschienen. Die Rede ist von George Nolfis Regie-Debut, dem Thriller "Der Plan" mit Matt Damon in der Hauptrolle.

Die Handlung des Films folgt dem Kongressabgeordneten David Norris (Matt Damon) während seiner Kandidatur für einen Sitz im U.S. Senat. Kurz vor seiner Abschlussrede zur Wahlniederlage lernt er Elise Sellas (Emily Blunt) kennen, die ihm die Kraft gibt, weiterzumachen, und in die er sich auf den ersten Blick verliebt. Leider verliert er sie aus den Augen und kennt nicht einmal ihren Namen, sodass er sie erst Monate später zufällig in einem Bus wiedertrifft. Das Glück ist nur von kurzer Dauer, denn nicht lange darauf erfährt er von einer Gruppe mysteriöser Anzugträger mit übernatürlichen Fähigkeiten, dass er sie nie mehr treffen darf, weil das im 'Plan' nicht so vorgesehen sei. David willigt zum Schein ein, um so einer vollständigen Gedächtnislöschung zu entgehen, kann aber nicht einfach so hinnehmen, die Frau seiner Träume vollständig vergessen zu müssen. Aber wie soll man sich gegen göttliche Fügung wehren?

Bevor auch nur ein weiteres Wort über den Film fällt, muss klargestellt werden, um welches Genre es sich hierbei handelt. Dem Zuschauer wird fälschlicherweise permanent suggeriert, dass "Der Plan" eine Art Action-Film sei, der auf waghalsige Verfolgungsjagden baut. Das liegt einerseits an den Werbeplakaten und den Trailern, in denen Damon und Blunt Hand in Hand beim Weglaufen gezeigt werden, und andererseits daran, dass bisher fast alle Dick-Filme sich durch verfolgte Protagonisten ausgezeichnet haben ("Minority Report", "Impostor - Der Replikant", "Paycheck", "Next"). Tatsächlich aber entwickelt der Film seine Handlung fast ausschließlich in Gesprächen, zwischen David und Elise, zwischen David und den Agenten oder zwischen den Angestellten des Planungsbüros untereinander. Und obwohl zwar auch genug Verfolgungsszenen in "Der Plan" vorhanden sind, handelt es sich bei der großen Stärke des Films gerade um diese Dialoge, die clever geschrieben sind und zwischen interessanten und vielschichtigen Charakteren geführt werden.

Dabei sind die Figuren derart gut ausgearbeitet und werden dem Zuschauer auf entsprechend clevere Art und Weise präsentiert, dass man kaum anders kann, als mit ihnen zu sympathisieren. Nicht nur dass man David permanent wünscht, das Mädchen zu bekommen, man identifiziert bis zu einem gewissen Grad sogar mit den Agenten des Anpassungsbüros, zumindest sobald ihre Beweggründe verständlich dargelegt wurden. Manche der Rollen sind sogar so plastisch, dass man sie regelrecht vermisst, nachdem sie irgendwann im Film nicht mehr auftauchen. Nicht nur George Nolfis Drehbuch und Regietalent verdienen dafür Anerkennung, sondern auch insbesondere das Engagement der Schauspieler für den Film.

Da ist zunächst Matt Damon selber zu nennen, dessen charismatische Ausstrahlung den Politiker Norris derart sympathisch darstellt, dass man ihn als Zuschauer fast schon wählen will. Auch Anthony Mackie ("The Hurt Locker"), Terence Stamp ("Priscilla - Königin der Wüste") und insbesondere der grandiose John Slattery ("Mad Men") leisten einen ausgezeichneten Job als Agenten. Die aber wahrscheinlich beste Performance des ganzen Films liefert Hauptdarstellerin Emily Blunt ("Der Teufel trägt Prada") - nicht weil sie besonders gut schauspielern würde, ihre Darstellung des Charakters ist solide, nett anzusehen aber nicht herausradend. Allerdings erbringt sie eine fantastische Leistung in den Tanzszenen, da ihre Rolle eine begnadete Tänzerin ist und dementsprechend anspruchsvolle und komplexe Choreographien aufs Parkett legt. Regisseur Nolfi hatte zuerst vor, eine Schauspielerin mit starkem Ballett-Background zu casten. Er entschied sich dann doch für Blunt, obwohl die zuvor noch nie professionell getanzt hatte, denn sie brachte etwas ein, was die anderen Bewerberinnen nicht hatten: Ehrgeiz. Das oberste Ziel des Films ist, authentisch zu wirken, und die Schauspielerin hat sich so stark ins Zeug gelegt, dass ihr das problemlos gelingt – obwohl sie manche Tanzschritte in der kurzen Zeit nicht perfekt gelernt hatte und daher an bestimmten Stellen gedoublet werden musste. Es ist dennoch richtig schade, dass viele dieser Szenen für die finale Version gekürzt oder gar komplett geschnitten wurden.

Auch andernorts gibt sich der Film entsprechend Mühe, Authentizität zu erwecken. Zum Beispiel behandeln echte Nachrichtensprecher und Politanalytiker wie etwa Chuck Scarborough, James Carville, Mary Matalin und speziell Jon Stewart die fiktiven Wahlkampagnen des Filmes. Vor allen Dingen hat die Filmcrew besonderes Augenmerk auf die Drehorte der Handlung gelegt. "Der Plan" könnte optisch schon fast als Lobpreisung an New York City durchgehen. Unzählige berühmte Orte oder zumindest bekannte Gegenden hielten für die Handlung her, darunter Liberty Island, Downtown New York, das Yankee Stadium, das Museum of Modern Arts und der als '30 Rock' bekannte Wolkenkratzer bei Rockefeller Plaza 30. Das ist besonders beeindruckend während des Showdowns, als David und Elise sich durch den 'Untergrund' bewegen. Dabei nutzen sie übernatürliche Abkürzungen, die es gestatten, ähnlich wie die Hintertüren des Schlüsselmachers in der "Matrix"-Trilogie, durch normale Türen von einem Platz in New York sofort an einen kilometerweit entfernten Ort zu reisen. Manche dieser Übergänge verursachen durch ihre Imposanz glatt eine Gänsehaut.

Apropos Gänsehaut: Die musikalische Untermalung leistet tolle Arbeit, um dem Zuschauer in ruhigen, emotionalen Momenten einen Schauer über den Rücken zu jagen, ihn am Anfang des Films sofort mitzureißen und während der nervenaufreibenden Szenen aufzuheizen. Die Melodien und Songs sind zwar nicht dauerhaft einprägsam, tragen aber einen großen Teil zur Atmosphäre bei. Die Sprecher selber sind im Großen und Ganzen passend gewählt und klingen ihren Figuren entsprechend überzeugend, zudem sind manche Formulierungen in der deutschen Synchronisierung sogar etwas eindeutiger und klarer als im englischen Original. Der größte Schnitzer, der bei der Übersetzung passiert ist, liegt eigentlich im absolut langweiligen Titel "Der Plan", der nicht einmal ansatzweise an die Aussagekraft und Spannung von "The Adjustment Bureau" herankommt.

Zune: Der Plan


1 Fazit

Kommentare

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Paul
Eine kleine Anekdote die nicht in das Review gepasst hat: Matt Damon's Charakter im Film ist eine Obama-esque Figur die hauptsächlich wegen Popularität bei den Jugendlichen Stimmen erhält, etwas was Damon ironischerweise bei der letzten U.S. Präsidentschaftswahl an Obama kritisiert hat. Als scherzhafte Antwort darauf hat Barack Obama die schauspielerische Leistung von Matt Damon als minderwertig bezeichnet, um darzulegen dass manche Leute besser nicht über etwas urteilen sollten von dem sie keine Ahnung haben.

13.08.2011 / 15:24 Uhr / Paul

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