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Sherlock Holmes: Spiel im Schatten - Duell der Genies

04.10.2012 / 20:10 Uhr / Paul Hackspacher

Mit "Spiel im Schatten" liefert Guy Ritchie den zweiten Teil seiner Neuinterpretation der "Sherlock Holmes"-Geschichte ab. Nach dem großen Erfolg des Vorgängers gaben sich auch Jude Law und Robert Downey Jr. äußerst interessiert, wieder in die Rollen zu schlüpfen. Letzterer verzichtete dafür sogar auf eine Rolle in "Cowboys & Aliens". Aber schafft es das Trio, an die Qualität des Originals anzuknüpfen, oder zielt die Fortsetzung nur auf das schnelle Geld ab?

Seit den Geschehnissen um Lord Blackwood hat sich einiges in 221B Baker Street getan: Watson (Law) ist bei Holmes (Downey) ausgezogen um sein eigenes Leben zu führen und Mary Morstan (Kelly Reilly) zu ehelichen. Holmes selber führt inzwischen eine etwas skurrile Beziehung mit Irene Adler (Rachel McAdams), nutzt dabei allerdings jede Gelegenheit, um die Pläne ihres diabolischen Auftraggebers, Professor James Moriarty (Jared Harris), zu vereiteln. Nach einigen erfolgreichen Schachzügen gegen den verbrecherischen Mastermind entledigt sich Moriarty seiner unfähigen Untergebenen und macht Jagd auf Holmes und Watson. Diese haben jedoch selber alle Hände voll zu tun, um zu verhindern, dass der Professor durch politische Attentate seines Schergen Sebartian Moran (Paul Anderson) den Weltkrieg einleitet und als Waffenhändler die Fäden in der Hand hält. Unterstützt werden die beiden dabei von Sherlocks Bruder Mycroft Holmes (Stephen Fry) und der Zigerunerin Simza (Noomi Rapace), deren verschollener Bruder irgendwie in die Verschwörung verwickelt ist.

Die Handlung dürfte dabei bekannt vorkommen, immerhin gab es bereits einige fiktive Varianten des Viktorianischen Zeitalters, in denen kriminelle Genies versucht haben, aus einem möglichen Weltkrieg Profit zu schlagen. Nicht zuletzt in "Liga der Außergewöhnlichen Gentlemen" wo rein zufällig Professor James Moriarty den Kopf hinter der Verswörung darstellt. Primär basiert "Spiel im Schatten" aber auf der Arthur-Conan-Doyle-Kurzgeschichte "The Final Problem" (dt.: "Sein letzter Fall") in der Sherlock Holmes zum ersten und zum letzten Mal seiner Nemesis Moriarty gegenübertritt.

Einerseits merkt man so, dass auch hier die Hintergründe des Charakters mit einbezogen wurden. Der Film folgt zwar nur lose der Kurzgeschichte - was daran liegt, dass in der Vorlage nie erwähnt wurde, was Moriarty nun genau plant - aber zumindest grundlegende Konzepte wurden übernommen: Holmes wird von den Schergen seines Widersachers verfolgt und fürchtet um sein Leben, es gibt eine Zugfahrt, manche der Handlungsorte stimmen überein und natürlich besteht die Rahmenhandlung aus einer Nacherzählung von Watson. Hier und da erkennt der detailverliebte Kenner sogar Zitate, die es wörtlich vom Papier auf die Leinwand geschafft haben. Wie schon im ersten Film kann man den Machern keinesfalls vorwerfen, schlecht recherchiert zu haben.

Auf der anderen Seite führt dieser Ansatz aber zu einem ganz eindeutigen Problem: Der Film ist vorhersehbar. Das gilt natürlich nicht für die gesamte Handlung, aber im Gegensatz zum ersten Teil, bei dem nur das zu Grunde liegende Konzept um Holmes als Inspiration für eine eigens geschriebene Geschichte genutzt wurde, dient diesmal eine Doyle-Story direkt als Basis für einen Krimi, der eigentlich bis zum Schluss spannend und undurchsichtig sein sollte. Zuschauer, die die Vorlage kennen, wissen jedoch beispielsweise schon eine Viertelstunde vorher wie der Showdown enden wird. Dazu müssen sie die Geschichte nichtmal selber gelesen haben, denn "The Final Problem" ist aufgrund seiner Relevanz für die Gesamt-Storyline nicht nur eine der bekanntesten und meist-zitierten, sondern auch eine der meist-parodierten Holmes-Geschichten und dürfte somit einer gar nicht mal so geringen Zahl von Leuten geläufig sein - ob es ihnen bewusst ist oder nicht.

Hinzu kommt, dass die Story stellenweise kleinere Löcher aufweist. Im ersten Moment wirkt es wie ein Geniestreich von Moriarty, dass er einen Scharfschützenmord kurz vor einem Sprengstoffattentat durchführen lässt, denn "Niemand sucht bei einer Bombenexplosion nach einem Einschussloch". Denkt man aber genauer darüber nach, merkt man, dass die Explosion ohnehin alle Anwesenden getötet hatte, und die Kugel einzig und allein dazu geführt hat, dass Holmes und Watson die Spur nicht verlieren - was mehr als eindeutig nicht im Interesse von Moriarty liegt. Kleinere Fehler wie dieser ziehen sich durch den Film, der sich ohnehin nicht wirklich ernst zu nehmen scheint. Die kleineren Sidegags und bissigen Kommentare zwischen den Protagonisten nehmen stellenweise Überhand und lenken sogar manchmal von der ohnehin nicht so starken Haupthandlung ab: Beispielsweise als man eine Szene zwischen Watsons Ehefrau und einem nackten Mycroft Holmes einbaut, deren einziges Ziel offenbar Slapstick ist.

Dafür sind besagte Nebencharaktere, wenn sie denn mal auftauchen, recht gut ausgearbeitet und auch erstaunlich gut besetzt. Auch wenn der Charakter von Mycroft sehr seltsam gewählt wurde, spielt Stephen Fry ihn überzeugend und passt auch optisch auf Doyles Beschreibung, und auch Kelly Reilly weiß als Mary Morstan-Watson zu überzeugen. Gleiches gilt übrigens für Noomi Rapace als Simza und besonders für Paul Anderson als skrupelloser Scharfschütze Sebastian Moran, der stellenweise sogar bedrohlicher wirkt als sein Auftraggeber Moriarty. Dieser hingegen ist ein zweischneidiges Schwert: Jared Harris wirkt etwas deplatziert in der Rolle, er stimmt auch vom Aussehen her nicht mit dem literarischen Moriarty überein, der ein fast schon gebrechlicher alter Mann ist, wie ein Mafia-Pate, der gerade durch seine Ruhe und Gelassenheit bedrohlich wirkt. Harris hingegen sieht eher aus wie ein echter Universitäts-Professor, teilweise sogar etwas zerstreut statt scharfsinnig und man nimmt ihm den kriminellen Drahtzieher nicht immer hundertprozentig ab. Auf der anderen Seite kommt glücklicherweise Rachel McAdams als Irene Adler nur anfangs vor, da sie für die Rolle ohnehin ungeeignet war und im Verlauf des Films das - auch diesmal erstklassige - Buddy-Movie-Zusammenspiel zwischen Jude Law und Robert Downey Jr. deutlich ausgebremst hätte.

Eine weitere Sache, die aus dem ersten Teil erhalten blieb, ist die Kameraführung. Auch in "Spiel im Schatten" hijackt Holmes gelegentlich die Kamera, damit der Zuschauer seine Analysen der Umgebung mitverfolgen kann, als auch um Rückblenden zu zeigen, die ein in der aktuellen Szene seltsames Detail erklären. Als Watson zum Beispiel in den Lauf eines Gewehrs blickt, in dem ein Lippenstift steckt, spult der Film zurück um zu zeigen, wie Holmes ihn wohlweislich dort platziert hat. Allerdings gibt es in der Mitte der Handlung eine Stelle, bei der diese Kameratechniken übermäßig stark eingesetzt auf die momentane Handlung angewandt werden, statt nur auf Gedankengänge und Flashbacks. Bis dahin konnte man die real ablaufende Story immer zumindest dadurch identifizieren, dass sie unverändert präsentiert wurde, und dass dieser Bruch weder davor noch danach ein weiteres Mal stattfindet, ist sehr irritierend. Da es sich bei besagter Szene zudem um eine exzessive Action-Sequenz mit vielen Schusswechseln und übertriebenen Explosionen handelt, wirkt sie äußerst deplatziert. Als stamme sie eher aus "300", der dafür bekannt ist, im Kampf mit der Geschwindigkeit zu spielen. Allerdings wurde die Kameraführung exzellent im Showdown eingesetzt. Auch wenn der Ausgang des Zusammentreffens von Holmes und Moriarty vorhersehbar ist, macht das deren Auseinandersetzung nicht minder spektakulär.

Abgesehen davon kann man sich praktisch nicht über die Optik des Films beschweren: Die Kulissen sind sehr schön und detailverliebt, genauso wie die Requisiten und Kostüme. Letztere wirken durch die recht eintönige Mode des Viktorianischen Zeitalters zwar etwas langweilig, passen damit aber historisch korrekt in den Kontext des Szenarios. Eine kleinere Neuerung sind die vielen Panoramen, die "Spiel im Schatten" präsentiert - von dystopischen Stadtgebieten bis hin zu majestätischen Gebirgen, die aussehen, als wollten sie "Herr der Ringe" Konkurrenz machen. Hin und wieder sind solche Panoramen aber zu imposant und wirken mehr künstlich als realistisch, was die Impression ergibt, der Film spiele nicht tatsächlich am Ende der 19. Jahrhunderts sondern in einer überspitzten Parallelrealität davon. Ob das nun gut ist oder schlecht, soll jeder für sich selber entscheiden. Weiterhin aus dem Vorgänger erhalten geblieben ist leider das oftmals sehr dunkle Bild in Kombination mit den gewaschenen Farben, was dem Film einen leichten Graustich verleiht.

Zu guter Letzt, die Tonausgabe ist exzellent. Auch diesmal ist die Musik eine Glanzleistung von Hans Zimmer. Viele bekannte Melodien aus dem ersten Teil wie beispielsweise das Titellied kehren zurück und auch die Neuen untermalen das Geschehen vorzüglich, ohne aufdringlich zu sein. Florian Halm und Charles Rettinghaus treten erneut ihre Rollen als die Synchronstimmen von Jude Law und Robert Downey Jr an. Noomi Rapace wird von Sandra Schwittau gesprochen, ihrer Stimme aus der "Millenium"-Trilogie. Jared Harris wird erstmalig von Frank Glaubrecht gesprochen, der mit seiner Sprecherfahrung für unter anderem Pierce Brosnan und Al Pacino zumindest etwas von der Bedrohlichkeit an Moriarty zurückgeben kann, die ihm durch sein Aussehen fehlt. Dabei muss man generell der deutschen Synchronisierung ein großes Lob aussprechen, die den Originalton stellenweise sogar übertrifft. Zwar waren bestimmte Abstriche unumgänglich, da man die britischen Akzente nicht mitnehmen konnte. Auf der anderen Seite muss der Zuschauer jetzt aber nicht mehr das gebrochene Deutsch ertragen, wenn Moriarty bei Schubert mitsingt. Dies allerdings auf Kosten eines etwas holprigen Französisch. Fehler bei der Übersetzung oder kuriose Wortwahl im Deutschen gibt es nicht. Im Gegenteil, manchmal werden etwa Zitate, die in englischsprachigen Ländern mehr als geläufig sind, noch zusätzlich erklärt. Ein Service, der nicht selbstverständlich ist, aber das Nachvollziehen der Dialoge deutlich erleichtert.

Zune: Sherlock Holmes: Spiel im Schatten


1 Fazit

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