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Fallout 3 - Mein Reisetagebuch

11.11.2008 / 13:01 Uhr / Jens Kopper

Ob sich die deutschen Physiker Otto Hahn und Fritz Straßmann 1938 bewusst waren, was sie indirekt erschaffen hatten, als es ihnen gelungen war, Atomkerne zu spalten? Ob sich die amerikanische Regierung im klaren darüber war, was die Abwürfe von "Little Boy" über Hiroshima und "Fat Man" über Nagasaki für verheerende Folgen haben würden? Ist der Mensch sich bewusst, über was für eine unglaubliche Zerstörungskraft die Atombombe verfügt? Scheinbar nicht. Sonst hätte sich die Menschheit im Jahre 2027 nicht selbst in den atomaren Holocaust geschickt. Moment, werdet ihr jetzt sagen. Wir schreiben das Jahr 2008. Noch ist die Welt so, wie sie immer war. Kein kahler, radioaktiv verseuchter Klumpen Erde.

Recht habt ihr. Von den oben erwähnten Fakten stimmen bis heute nur die ersten beiden. Was natürlich schon schlimm genug ist. Glaubt man aber den Jungs bei Bethesda, wird genau das passieren, was so ziemlich jeder auf unserem Planeten fürchtet. Das irgendjemand irgendwen irgendwann mit einer nuklearen Waffe angreift. Und das dieser wer-auch-immer mit gleicher Münze antwortet. Und schon ist es passiert. Die Welt so wie wir sie kennen, verbrennt im atomaren Fegefeuer. Wer Glück hat, wird nur ein wenig verstrahlt und muss sich mit einigen hässlichen Mutationen rumärgern. Den Pechvögeln winkt ein schneller, brachialer Abgang. Aber auch wenn man es nicht glauben kann, werden es einige ohne Schäden überleben. Versteckt in riesigen Bunkern unter der Erde. Weit weg von der Überfläche. Geschützt durch Tonnen von Stahl und Stein. Komplett isoliert von der unschönen Außenwelt. Genauso jemand seid ihr in Bethesdas neustem Rollenspiel-Epos "Fallout3". Was das Leben in einem Bunker und in einer total kontaminierten Außenwelt zu bieten hat, könnt ihr in meinem etwas anderen Test lesen.

Womit beginnt das Leben eines jeden Menschen auch noch im Jahr X nach dem Tag, an dem die Welt unterging? Genau. Mit der Geburt. Ich sehe weißes Licht. Es blendet mich. Das monotone Piepsen von medizinischen Geräten im Hintergrund. Verschiedene Stimmen schwirren durch den Raum. Doch eine fällt mir direkt auf. Sie wirkt vertraut. Sie scheint mit mir zu sprechen. Langsam kann ich Umrisse erkennnen. Das grelle Licht wird schwächer. Ich sehe einen Schatten, der sich über mich beugt. Ein Mann. Der Mann mit der mir bekannten Stimme. Mein Vater. Er fragt mich, was ich sein will. Mädchen oder Junge. Ich wähle natürlich Junge. Ja genau das hat er sich gedacht. Ein starker Nachfahre. Das werde ich bestimmt mal sein. Jetzt fehlt mir nur noch ein Name. Ich fackele nicht lange und tippe meinen Wunschnamen ein, der meinem biologischen Erzeuger ebenfalls wieder sehr gefällt. Doch dann merke ich, dass etwas nicht stimmt. Das Geschehen wird hektischer. Mein Vater wirkt aufgeregt. Ich höre eine weibliche Stimme im Hintergrund. Meine Mutter? Was ist los. Geht es ihr nicht gut? Hat sie Schmerzen. Ich werde es nicht erfahren, denn plötzlich umfängt mich langsam wieder das blendende, weiße Licht. Ich verlasse die Geschehnisse.

Das nächste was ich sehe, ist ein ganzes Jahr nach meiner Geburt. Ich befinde mich in einem rundlichen, metallenen Zimmer. Die Kamera ist ziemlich dicht am Boden. Ich bin ein einjähriges Baby. Ich erblicke meinen Vater. Er motiviert mich, zu ihm herüber zu laufen. Ich versuche meine ersten Schritte. Und tatsächlich: Es funktioniert. Ich laufe. Langsam und mit kontrollierten Schritten nähere ich mich ihm bis er nach mir greift und mich voller Stolz hoch hebt. Meine neue Freiheit hält aber nicht lange. Er trägt mich herüber zu meinem Laufstall. Er müsse kurz was erledigen, sagt er und verlässt den Raum durch eine stählerne Tür. Pah, das hat er sich gedacht. Als ob ich es nicht schaffen könnt, diesen klapperigen Zaun zu öffnen. Und siehe da. Genau das ist auch meine erste Quest in der Welt von "Fallout 3". Also wackele ich mit noch relativ unsicheren Schritten zum Schloss und öffne es ohne große Probleme. Alles in diesem Raum steht mir jetzt offen. Voller Tatendrang erkunde ich meine Umgebung und mache mich den Grundlagen der Steuerung vertraut. Gehen, umsehen, greifen, wieder ablegen. All das lerne ich ganz schnell. Dabei entdecke ich ein Buch. Ich öffne es. Dieses Buch ist ziemlich außergewöhnlich. Darin wird mir S.P.E.C.I.A.L erklärt. S.P.E.C.I.A.L steht für meine Charaktereigenschaften. S also für Strenght. I für Intelligence usw. Dieses Kinderbuch erklärt mir alles haargenau. Und am Ende bekomme ich die Möglichkeit einige Punkte auf die einzelnen Werte zu verteilen. Je nachdem, wie ich meinen Charakter spielen möchte.

Plötzlich höre ich Geräusche. Das Zischen der Türventile. Langsam öffnet sich der metallene Schlund. Mein Vater betritt wieder den Raum. In einer Mischung aus Freude und Verwunderung greift er nach mir und nimmt mich in den Arm. Er scheint sehr stolz auf mich zu sein. Ich sei ein aufgewecktes Kind, dass es in diesem Alter schon schafft, alleine zu laufen und aus seinem Laufstall auszubrechen. Er lächelt mich an. Doch nicht für lange. Er sagt mir, dass auch meine Mutter sehr stolz auf mich wäre. Ich erkenne, dass sie scheinbar nach meiner Geburt verstorben ist. Mein Vater geht zu einem kleinen Tisch in einer Ecke des Raumes. Darauf steht ein kleiner Fotorahmen. Ich kann Wörter und Sätze entschlüsseln. "Ich bin der Anfang und das Ende. Das Alpha und das Omega...". Ein Bibelzitat. Das sei das Lieblingszitat meiner Mutter gewesen, höre ich meinen Vater sagen. Dann verlasse ich langsam wieder die Szenerie. Der Bildschirm wird weiß.

9 Jahre später. So beginnt die nächste Szene. Mein zehnter Geburtstag. Ein besonderer Tag für jeden. Für uns Bewohner des Bunkers aber noch spezieller. Es ist der Beginn eines neuen Lebensabschnitt. Mit dem Erreichen des elften Lebensjahres wird man ein mehr oder weniger vollwertiges Mitglied im Sozialgefüge des Bunkers. Ich darf endlich mitarbeiten, (un-)wichtige Entscheidungen treffen. Und vor allem: Ich erhalte endlich meinen Pip-Boy 3000. Ein schickes Teil. Passt perfekt an meinen rechten Arm. Einfach klasse. Das Ding kann so ziemlich alles. Es enthält Karten der Welt bzw. meiner Umgebung. Es zeigt mir meinen Zustand an. Hilft mir dabei, meine Ausrüstung zu verwalten usw. Kurz gesagt: Der Pip-Boy 3000 verbindet alle elementaren Funktionen, die ich auf meinem Weg benötigen werde. Zu erst genieße ich noch ein wenig meine Party. Rede mit meinen Gästen und Freunden. Besonders für Amata nehme ich mir Zeit. Sie ist meine beste Freundin. Ihr Vater ist der Sicherheitschef des Bunkers 101.

Irgendwann langweilt mich aber meine Geburtstagsfete. Da nimmt mich mein Vater zur Seite und verrät mir etwas sehr interessantes. Er habe ein Geschenk für mich. Er könne es mir aber hier nicht geben. Ich solle nach unten gehen. Dort warte ein Freund von ihm. Da ich ein ziemlich ungeduldiger Mensch bin, mache ich mich schnell auf den Weg. Ich streife durch die langen, kahlen Gänge des Bunkers. Treffe noch einige andere Bewohner, welche mir zu meinem Geburtstag gratulieren. Nach einem relativ langen Gang erreiche ich endlich Papas Freund. Auch er gratuliert mir wieder zu meinem Geburtstag. In diesem Moment taucht mein Vater auf und übergibt mir voller Freude mein Geschenk. Ein Gewehr. Verdammtes cooles Geschenk, denke ich mir.

Doch damit noch nicht genug. Er gibt mir auch noch eine Lehrstunde im Schießen. In einiger Entfernung befinden sich einige Zielscheiben, die ich unter Feuer nehme. Nachdem ich diese zur Zufriedenheit meines Vater durchlöchert habe, darf ich auf ein bewegliches Ziel schießen. Ein Radroach kriecht auf dem Boden herum. Dabei handelt es sich um eine mutierte Kakerlake, die eher die Ausmaße eines mittelgroßen Hundes hat. Und jetzt kommt V.A.T.S, das Kampfsystem von "Fallout 3", zum Tragen. Durch einen Druck auf die RB-Taste freezt das Bild ein. Ich sehe meinen Feind und einige Prozentwerte. Diese stehen für die Trefferwahrscheinlichkeit bzw. die Trefferwirkung die euer Angriff verursachen wird. In aller Ruhe kann ich mir Aussuchen, welchen Körperteil des Gegners ich angreifen werde. Sollten es mehrere Gegner sein, kann ich auch verschiedene Gegner attackieren. Vorausgesetzt ich verfüge noch über Angriffspunkte. Sollten diese leer sein, kann ich die Hilfe von V.A.T.S nicht mehr in Anspruch nehmen und muss agieren wie in einem Ego-Shooter. Zum Glück laden sich meine AP aber relativ schnell wieder auf. Der taktische Angriff ist nämlich deutlich besser, als das wilde Rumgeballere. Nachdem ich dem widerlichen Insekt einen gezielten Schuss in den Kopf verpasst habe, ruft mich mein Vater zu sich rüber. Er ist der Meinung, man müsse diesen denkwürdigen Tag auf einem Foto festhalten. Das plötzlich auflodernde Leuchten des Blitzes, beendet meine Erinnerungen an diesen Tag.

Weitere sechs Jahre sind vergangen und ein weiterer wichtiger Tag steht an. Heute ist mein G.O.A.T-Test. Heute wird festgelegt, wer ich eigentlich bin. Was meine Stärken sind. Wie meine Konstitution ist. Dazu muss ich 10 Fragen beantworten. Ganz ehrlich gesagt: Ich finde die Fragen etwas eigenartig. Ziemlich wirres, teils lustiges Zeug, wird von mir verlangt. Und was zur Hölle hat das mit meinen persönlichen Eigenschaften zu tun? Na ja, egal. Am Ende weiß ich, worin ich besonders gut bin. Z.B. bin ich besonders geschickt im Umgang mit großen Waffen. Ich habe einen hohen Wert bei Stärke usw. Alles das kann der Übungsleiter aus meinen Testergebnissen ablesen. Zum Glück ist der Typ ziemlich nett und gibt mir die Möglichkeit, meine Eigenschaften selbst festzulegen, falls mir dass nicht passt, was bei G.O.A.T herauskommt. Hier enden die Fragmente meines Gedächtnisses. Ich verlasse die Szenerie.

Weißes Licht. Ich höre eine Stimme. Die Welt um mich herum bewegt sich. Ein Erdbeeben? Geht die Welt jetzt endgültig unter? Hat sie den atomaren Kollaps doch nicht überstanden? Dann wäre es jetzt endgültig vorbei. Hätte auch was. Endlich raus aus diesem verdammten Bunker 101. Ich versuche aufzuwachen. Langsam spüre ich, wie die Lebensgeister in mich zurückkehren. Ich sehe eine Gestalt über mir, die mich gepackt hat und an mir schüttelt. Amata. Ihr Gesicht ist von Angst verzerrt. Tränen glitzern in ihren Augen. Sie redet mit mir, schreit mich fast schon an. "Dein Vater hat den Bunker verlassen. Er hat unser Gesetz gebrochen. Wie konnte er das nur tun. Warum? Warum?" Immer wieder wiederholt sie diese Frage. Ich bin hellwach. Mein Vater ist weg. Wo ist er hin, frage ich Amata voller Ungewissheit. Sie wisse es nicht. Er sei nur dabei erwischt worden, wie er die Bunkertür geöffnet habe. Dann sei er durch die Tür in die Außenwelt geflohen.

Ich muss ihn suchen gehen. Dieser Gedanke schießt mir sofort durch den Kopf. Blitzschnell bin ich aus meinem Bett aufgestanden. Bin schon auf dem Weg zum Schreibtisch, um meine Ausrüstung und mein Gewehr einzupacken. Da spüre ich wieder Amatas Hand an meiner Schulter. "Langsam, langsam. Hör mir erst zu. Mein Dad sucht nach dir. Alle die mit deinem Vater zu tun hatten, sind in Gefangenschaft. Er will dich verhören. Er denkt du weißt wo dein Vater hin ist." Verdammt. Nein, ich kann nicht warten. Ich muss ihn suchen gehen. Ich weiß aber sowieso nichts, antworte ich ihr. Amata, ich gehe ihn jetzt suchen. Fest entschlossen greife ich nach meinem Equipment und stürme durch die Tür. Pass auf dich auf, höre ich sie noch hinter mir rufen.

Die Gänge sind verlassen und in das Rot der Alarmleuchten getaucht. Türen sind verrammelt. Menschen suche ich vergebens. Ich laufe immer schneller. Meine Beine arbeiten von selbst. Bin gefangen in der bedrückten Atmosphäre. Ich biege um eine Ecke und stehe einem Wachmann gegenüber. Plötzlich greift mich dieser mit einem Knüppel an. Was zur Hölle... Ich weiche geschickt aus, indem ich mich schnell ducke. Amatas Vater ist es wohl ziemlich ernst mit dem Verhör. Scheinbar ist es ihm egal, in welchem Zustand ich dort erscheine. Hauptsache er erwischt mich. So eine Scheiße, hör ich mich laut sagen. Es geht nicht anders. Ich muss den Wachmann aus dem Weg räumen. Aber nicht töten. Zufälligerweise habe ich meinen Baseballschläger mitgenommen. Einige gezielte Schläge und der Wächter liegt bewusstlos auf dem Boden. Schnell weiter. Doch mein Lauf wird nach kurzer Zeit schon wieder jäh unterbrochen. Mehrere Radroachs kriechen auf dem Boden herum. Wo kommen diese Dinger her? Normalerweise findet man nie soviel auf einmal. Einige gezielte Kopfschüsse später ist auch das Problem aus dem Weg geräumt und der Boden ist mit einer klebrigen Masse aus Radroach-Innereien übersät. Schöne Sauerei denke ich mir noch, als ich den Raum schon wieder verlassen habe. Ich nähere mich der Treppe nach unten. Leider muss ich dazu an den Räumen des Wachpersonals vorbei. Und wie könnte es auch anders sein? Ehe ich mich versehe, stehen zwei Wachmänner vor mir. Einer eröffnet sofort das Feuer auf mich. Der andere stürmt mit gezogenem Knüppel auf mich zu. Sein Pech. Ein gezielter Schlag und er ist erledigt. Jetzt bleibt nur noch der Pistolenschütze. Ich versuche seinen Schüssen auszuweichen. Trotzdem erwischt er mich am Arm. Nur eine Fleischwunde. Ich flüchte, bis er sein Magazin leer geschossen hat. Dann stürme ich auf ihn zu und schlage ihn nieder. Ich greife mir seine Pistole und stürze verwundet aus dem Zimmer.

Ich weiß nichts. Wirklich nicht. Warum hilft mir den niemand... Hilfe!? Aus dem Raum links von mir höre ich die Rufe einer Frau. Hör auf zu schreien und sag mir wo er hin ist. Ich weiß es nicht. Wirklich nicht, höre ich die Frauenstimme flehend antworten. Doch, du weißt was. Ich bin schon dabei weiterzulaufen. Da fällt es mir auf. Ich kenne die beiden Stimmen. Die Frauenstimme gehört einer Bekannten meines Vaters. Und die Männerstimme ist mir auch schlagartig bekannt. Es ist die Stimme von Amatas Dad. Was mach ich nur? Was mach ich nur? Ich kann die Frau nicht in der Gewalt von Amatas Vater lassen. Andererseits wäre es das Beste, wenn ich einfach weiterlaufen. Scheiße, fluche ich schon wieder, als ich die Tür öffne und den Raum betrete, in dem das Verhör stattfindet. Darin befindet sich die Frau, der Sicherheitschef und zwei seiner Schläger. Was zur Hölle, höre ich Amatas Vater in einer Mischung aus Verwunderung, Genugtuung und Zorn sagen.

Ehe ich mich versehe, steht er vor mir und versucht mich festzunehmen. Ich versuche mit ihm zu reden, flehe ihn an, die Frau und mich gehen zu lassen. Doch er hört nicht auf meine Worte. Er ist wild entschlossen, mich hier und jetzt zu verhaften und zu verhören. Das kann ich nicht zulassen. Ich reiße mich los und versuche zu flüchten. Plötzlich spüre ich einen Schlag in meinem Rücken. Einer der Schläger hat mich mit seinem Knüppel angegriffen. Schmerzverzerrt drehe ich mich herum und schlage ihm mitten ins Gesicht. Noch etwas benommen von dem Schlag höre ich das Pfeifen von Schüssen, die neben mir in die Wand schlagen. Der Wächter und Amatas Dad schießen auf mich. Und wieder fällt mir nur ein Wort ein, dass meine Gefühlslage treffend umschreibt. Scheiße. Aber es hilft nichts. Entkommen kann ich aus dieser Situation nicht. Und ein Nahkampf wäre mein sicherer Tod. Verzeih mir Amata, sage ich leise, ziehe die Pistole die ich dem anderen Wachmann abgenommen habe und erwidere das Feuer. Amatas Vater stirbt durch einen gezielten Kopfschuss. Den anderen Wächter töte ich durch eiige Schüsse in den Oberkörper. Was habe ich getan? Ich habe den Vater meiner Freundin getötet! Oh mein Gott. Das Wimmern der Frau reißt mich aus meinem inneren Konflikt. Ich sehe kurz nach ihr und laufe dann weiter. Ich muss hier weg. Jetzt noch dringender als zuvor.

Endlich. Es kommt mir vor wie das Licht am Ende des Tunnels. Ich habe den Raum erreicht, in dem sich das Tor zur Außenwelt befindet. Jetzt aber nichts wie los. "Warte", höre ich eine Stimme hinter mir sagen. Amata. Sie wirkt noch aufgelöster als zuvor. Tränen laufen ihr Gesicht herunter. "Wie konntest du nur?", schreit sie. Du hast mir meinen Vater genommen. Du hast ihn getötet... Recht hat sie und das weiß ich auch. Trotzdem versuche ich mich zu rechtfertigen. Doch wie erklärt man es, das man dem Vater seiner besten Freundin einen Kopfschuss verpasst hat? Amata, stammele ich. Ich muss jetzt gehen. Ihre Antwort haut mich fast um. Ja, dann geh endlich. Bevor sie dich erwischen oder ich es mir noch anders überlege. Dummerweise ist es schon zu spät. Zwei weitere Wächter stürmen durch die Tür. Doch jetzt hält mich niemand mehr auf. Einige kurze Momente später liegen beide am Boden. Ich greife noch schnell nach ihrer Ausrüstung, blicke Amata kurz in die Augen und durchquere den Raum. Hin zum Tor. Hin zur Außenwelt.

Gleißendes Licht. Mir stockt der Atem. Für einen kurzen Moment scheint die Welt still zustehen. Nein, die Welt steht wirklich still. Kein Leben. Nur Schutt, Asche und vertrocknete Pflanzen. Alles ist grau. Die Erde genauso, wie der Himmel. Die Überreste einer Straße schlängeln sich gen Horizont. Der Teer ist durch die ungeheuere Hitze der Bombe geschmolzen und aufgeplatzt. Ich bin frei und doch gefangen. Geflohen aus dem Bunker 101. Gefangen in der unfassbar dichten Atmosphäre. Alles passt. Und obwohl dieser Anblick nichts anderes als den Tod repräsentiert, muss ich zugeben, dass ich ihn schön finde. Alles passt wunderbar zueinander. Natürlich gibt es auch unschöne Dinge. Diese fallen aber nicht auf. Das Gesamtwerk ist so perfekt, dass ihr kleinere Makel nicht bemerken werdet. Geblendet von der subtilen Schönheit, zwinge ich mich wieder einen klaren Gedanken zu fassen. Du musst deinen Vater finden. Ich blicke umher, doch außer einer toten Welt entdecke ich nichts. Moment. Auf dem Boden sind Fußspuren. Die können nur von meinem Vater sein. So kann ich ihn finden. Meine Beine funktionieren wie von selbst. Schon folge ich den Spuren durch die atomare Wüste.

Stirb, stirb endlich, Mistvieh! Ich schieße auf eine Molerat. Eine atomar mutierte Mischung aus Maulwurf und Ratte. Ziemlich schnell, ziemlich groß und ziemlich eklig. Aber selbst dem widerlichsten Geschöpf, haucht man mit einigen gezielten Schüssen (V.A.T.S sei Dank) das Leben aus. Schweißgebadet blicke ich umher. Und da entdecke ich etwas. Es sieht aus wie ein großes, stählernes Tor. Mitten in der Landschaft. Sollte etwa... Ja tatsächlich! Die Fußspuren meines Vaters führen zu diesem Tor. Nichts wie hin. Ein Roboter begrüßt mich. Welcome to Megaton. Ich drücke gegen das Tor, öffne es und trete ein.

Megaton, die Siedlung die ihren Namen aufgrund der riesigen Atombombe trägt, die als Blindgänger mitten im Zentrum liegt. Ich brauche Informationen. Ich eile los und treffe auf einen dunkelhäutigen Mann. Er trägt einen Cowboyhut und einen langen Ledermantel. Er sieht aus wie ein Sheriff. Das scheint er auch zu sein. Lucas Simms ist sein Name. Wen ich keinen Ärger machen würde, könne ich ruhig hier bleiben. Ansonsten würde er dafür sorgen, dass ich ziemlich schnell aus der Stadt fliege. Sein Sturmgewehr zeigt mir unmissverständlich, dass er es ernst meint. Egal. Ich will keinen Ärger machen. Ich will wissen wo mein Vater hin ist. Vielleicht weiß Simms ja etwas. Ja, es war ein Fremder hier. Ich solle mit dem Saloonbesitzer sprechen. Der wisse mehr. Danke Sheriff. Eines würde mich aber noch interessieren. Warum zur Hölle liegt eine immer noch scharfe Atombombe in ihrer Stadt? Warum hat sie noch niemand entschärft? Tja, leider gebe es hier niemanden, der das könne. Außerdem würden so ein Paar Freaks die Bombe anbeten, wie einen Gott. Church of Atom nennt sich diese Vereinigung. Falls ich die Bombe unschädlich machen könne, solle ich es ruhig machen. Die Siedler würden es mit schon danken. Ich verabschiede mich und gehe los.

Um zum Saloon zu gelangen, muss ich zwangsläufig an diesem todbringenden Ungetüm vorbei. Mal schauen, was ich machen kann. Die Bombe liegt in einem kleinen Krater, der mit Wasser gefüllt ist. Na toll. Jetzt kriege ich auch noch nasse Füße. Ich setze den ersten Fuß ins Wasser. Warnung. Warung. Mein Pip-Boy schlägt Alarm. Radiation +1/sec. So ein Mist. Das Wasser ist verstrahlt. Ich muss aufpassen. Ein wenig Strahlung macht mir nichts aus. Wird es zu viel, sind einige unschöne Nebeneffekte das Ergebnis. Ich erinnere mich an etwas, dass ich irgendwo mal aufgeschnappt habe. Dein Pip-Boy 3000 zeigt dir auch den Grad deiner Verstrahlung an. Ist dieser zu hoch, gibt es Medikamente, welchen den Strahlungswert wieder senken. Doch Vorsicht! Nimmst du zu viele von diesen RadAway, wirst du süchtig danach. Was übrigens auch auf Alkohol & Co. zutrifft. Super, denke ich mir. Ich sollte schleunigst diese Bombe entschärfen. Leider merke ich sehr schnell, dass ich nicht genug Ahnung habe, um den Zünder zu deaktivieren. Das muss warten, sage ich zu mir selbst und setze meine Suche nach dem örtlichen Saloon fort. Nach kurzer Suche betrete ich den Saloon, eine schmierige Absteige, voller zwielichtiger Gestalten. Mhhh. Wo finde ich jetzt den Besitzer? Ich sollte mal den Barkeeper fragen. Ich schreite zur Bar und spreche den Mann dahinter an, welcher mir den Rücken zugekehrt hat. Als er sich herumdreht, gefriert mir fast das Blut in den Adern. Sein ganzer Körper ist zerfressen. Überall ist das Fleisch verfault oder fehlt schlicht und ergreifend. Kein Grund zur Panik, sagt er zur mir, er sei ein Ghoul. Diese unschönen Veränderungen sind das Ergebnis von hoher atomarer Strahlung.

Was darf es sein Fremder? Ich suche den Besitzer dieses Ladens, antworte ich. Der sei momentan unterwegs. Ich könne hier warten, bis er zurückgekommen ist. Okay, ich warte. Was hab ich auch schon anderes zu erledigen. Psst, Fremder. Komm hierher. Aus einer dunkelen Ecke ruft eine Stimme nach mir. Ich folge ihr, bis zu einem alten Sessel. Darauf sitzt ein zwielichtiger Kerl. Ich habe ein Angebot für dich Fremder. Meine Arbeitgeber wollen, dass diese Stadt verschwindet. Ich habe hier ein Gerät, mit dem du die Bombe im Zentrum der Siedlung kontrolliert zünden kannst. Solltest du das tun, wirst du reich belohnt. Ich antworte, dass ich sowas für kein Geld der Welt machen könnte. Na komm schon. Ein paar mehr Leichen, wen interessiert das schon? Nein, schreie ich ihm entgegen und verlasse fluchtartig den Saloon.

Ich muss zu Simms. Er sollte wissen, dass es jemanden gibt, der seine Stadt in die Luft jagen will. Nach kurzer Suche entdecke ich ihn. Was?, brüllt er, nachdem ich ihm gesagt habe, was ich weiß. Das darf nicht wahr sein. Den Kerl schnapp ich mir. Ich höre nur noch das Klicken seines Sturmgewehrs und muss mich beeilen, das Simms nicht ohne mich davon stürmt. Im Saloon angekommen fackelt der Sheriff nicht lange. Er spricht den komischen Typen an. Hey sie... PENG. Ein Schuss beendet abrupt den Satz. Simms fällt um, schlägt hart auf dem Boden auf. Auf seiner Stirn klafft ein Loch, aus dem Blut strömt. Dieser Bastard hat ihn umgebracht. Ich zögere nicht lange und ziehe meine Pistole. Damit hat der Kerl wohl nicht gerechnet. Mein Schuss trifft ihn genau ins Herz. Er sackt zusammen, und bleibt regungslos liegen. Schöne Scheiße. Ich bin noch keine zwei Stunden in der Außenwelt und schon sterben Menschen. Was mach ich jetzt nur? Ich greife nach Simms Sturmgewehr. Das kann er jetzt eh nicht mehr gebrauchen. Ich schnalle es mir auf den Rücken und mache mich an dem Fremden zu schaffen. Vielleicht finde ich Hinweise darauf, wer seine Auftragsgeber sind. Leider ist dem nicht so. Außer seiner Pistole führt er nichts interessantes mit sich herum. Egal. Es wird Zeit hier zu verschwinden.

Ich habe gehört, dass sie nach mir suchen. Vor der Tür wartet ein Mann auf mich. Ich bin der Besitzer des Saloons, Colin Moriarty. Ja genau nach ihnen suche ich. Wissen sie wo mein Vater ist? Ja, antwortet er. Nur sage ich dir das nicht so ohne weiteres. Dafür musst du mir schon einen Gefallen tun. War ja klar. Im Leben gibt es einfach nichts umsonst. Also Mister was soll ich tun. Du sollst Geld für mich eintreiben. Eine ehemalige Mitarbeiterin schuldet mir noch etwas. Die ganzen Drogen haben ihr wohl das Hirn vernebelt. Sie ist einfach abgehauen. Tue mir den Gefallen und besorge mir mein Geld. Wenn du das Miststück umbringen musst, kannst du es ruhig machen. Sie wird bestimmt niemand vermissen. Okay Mr. Moriarty. Ich besuche diese Dame, beschaffe ihr Geld und komme wieder zurück. Dann sagen sie mir aber auch, wo mein Vater ist. Keine Spielchen. Jaja Junge. Jetzt hau aber schon ab. Ich treffe Reisevorbereitungen, kaufe Items, Munition, besuche noch einen Arzt, der meine mittlerweile ziemlich zahlreichen Wunden zusammenflickt und trete an das Tor zur Außenwelt. Und in diesem Moment, wird es mir klar.

Kein Spiel gab mir bis jetzt so viele Freiheiten. Denn ich kann alles so machen, wie ich es will. Nur muss ich mir über eine Sache im Klaren sein. Jede Entscheidung hat Konsequenzen. Damit endet mein etwas anderer Test. Ich hoffe, ihr hattet Spaß beim lesen. Für alle, denen mein "Reisetagebuch" zu lang ist, gibt es abschließend noch einmal die Stärken und Schwächen von "Fallout 3" zusammengefasst.


1 Fazit

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